top of page

Marie von Ebner-Eschenbach (1830–1916):Stimme der sozialen Realitäten und Pionierin der Frauenliteratur

  • vor 5 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

Marie von Ebner-Eschenbach wurde am 13. September 1830 auf Schloss Zdislawitz (heutiges Tschechien) geboren. Ihre Mutter starb jedoch wenig nach ihrer Geburt, was einen tiefen emotionalen Einfluss auf ihre Kindheit hatte. Marie verbrachte ihre Jugend in einer ländlichen Umgebung in Tschechien und Österreich, was später ihre literarischen Themen prägte.


Mit 18 Jahren heiratete sie ihren Cousin Moritz von Ebner-Eschenbach. Die Ehe blieb kinderlos, und Marie musste sich um die psychisch kranke Schwiegermutter kümmern, was ihre persönliche Belastung verstärkte. Trotz dieser Herausforderungen entwickelte sie früh eine Leidenschaft für das Schreiben; bereits mit 17 Jahren schickte sie Gedichte an den bekannten Dramatiker Franz Grillparzer und an die Schriftstellerin Betty Paoli. Ihre ersten Veröffentlichungen erschienen anonym oder unter Pseudonym.


Marie von Ebner-Eschenbach strebte eine Karriere als Dramatikerin an und wollte eine ähnliche Laufbahn wie William Shakespeare einschlagen. Ihr erstes bedeutendes Werk, „Das Veilchen“, wurde 1863 veröffentlicht und erregte zwar Aufmerksamkeit, erhielt jedoch gemischte Kritiken. Ihr Durchbruch als Schriftstellerin gelang ihr 1880 mit der Erzählung „Lotti die Uhrmacherin“. 1883 folgten die „Dorf- und Schlossgeschichten“ sowie der Roman „Krambambuli“.


Im Jahr 1887 erschien ihr als Hauptwerk angesehenes Buch „Das Gemeindekind“, das dem Spätrealismus zugeordnet wird. In ihren literarischen Arbeiten stellte sie die Gesellschaft zur Zeit Kaiser Franz Josephs I. und seiner Gemahlin Sisi dar. Sie thematisierte die Lebenswelt des Adels ebenso wie die der unteren Schichten und zeigte insbesondere großen Mitgefühl für die Probleme und Sorgen der ärmeren Bevölkerung. Durch ihre Werke machte sie die soziale Not vieler Menschen sichtbar.


Ab 1881 litt Marie unter starken Schmerzen im Gesicht und an den Augen, die schließlich als Basedowsche Krankheit diagnostiziert wurden. 1898 starb ihr Mann, ein schwerer Verlust für die Schriftstellerin, der jedoch nicht ihre Kreativität minderte. Im gleichen Jahr erhielt sie das Kaiserliche Ehrenzeichen für Kunst und Wissenschaft, was ihre Bedeutung als Schriftstellerin unterstrich.


Zu ihrem 70. Geburtstag im Jahr 1900 fand eine große Feier zu ihren Ehren im Wiener Burgtheater statt. Zudem wurde ihr als erster Frau der Ehrendoktortitel der Wiener Universität verliehen, was ihre Anerkennung in literarischen und akademischen Kreisen bestätigte.


Marie von Ebner-Eschenbach starb am 12. März 1916 im Alter von 85 Jahren in Wien. Ihr umfangreiches Werk und ihr Beitrag zur Literatur haben nicht nur das Verständnis von Frauenrollen im 19. Jahrhundert geprägt, sondern auch einen bleibenden Einfluss auf die österreichische Literatur hinterlassen.


Literatur:


-Katharina Herrmann: Dichterin und Denkerinnen, Philipp Reclam jun. Verlag GmbH 2020

-Ute Hechtfischer, Renate Hof, Inge Stephan, Flora Veit-Wild hrsg. Metzler Autorinnen Lexikon Verlag J.B. Metzler 1998

-Gisela Brinker-Gabler hrsg. Deutsche Literatur von Frauen. Zweiter Band 19. Und 20.JahrhundertC.H.Beck München 1988

 
 
 

Kommentare


bottom of page