Helene Böhlau: Eine vergessene Stimme der Literatur
- 4. März
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Aktualisiert: 11. Mai

Helene Böhlau wurde am 17. Dezember 1856 in Weimar geboren. Sie war die Tochter eines Verlegers und Buchdruckereibesitzers, der Gründungsmitglied der Goethe-Gesellschaft war. Ihre Kindheit war geprägt von Privatunterricht, den sie zusammen mit anderen Mädchen erhielt. Doch Helene fühlte sich oft wie eine Außenseiterin. Ihre Eigenschaften, wie Eigensinn, Naturverbundenheit, Empfindsamkeit, Introvertiertheit und eine kränkliche Verfassung, trugen dazu bei.
Trotz dieser Herausforderungen begann sie bereits in ihrer Jugend mit dem Schreiben. Ihre Eltern waren darüber jedoch nicht erfreut. Sie akzeptierten es als Hobby, jedoch nur unter der Bedingung, dass Helene ihren familiären Pflichten nachkam. Diese Einschränkung sollte jedoch nicht ihre Leidenschaft für die Literatur bremsen.
In ihren frühen 20ern veröffentlichte Helene Böhlau ihre ersten Novellen. Zu dieser Zeit lernte sie den 17 Jahre älteren, verheirateten Architekten und Schriftsteller Friedrich Arnd kennen. Er vertrat eine buddhistische Philosophie, die Helene faszinierte. Sie folgte ihm wie einem Meister, und er förderte sie intensiv beim Schreiben. Gemeinsam mit Arnd und seiner Ehefrau Therese, mit der er vier Kinder hatte, zog sie nach Berlin.
Diese Dreiecksbeziehung war komplex. Therese stimmte vor allem zu, weil sie glaubte, Helene würde finanziell zur Familie beitragen und sich um ihren oft kränkelnden Mann kümmern. Helene sprach ihre Eltern auf ihr Vorhaben an, was zu einem Schock führte: Sie waren entsetzt und enterbten sie.
Als Arnd schwer krank wurde und nach Konstantinopel ging, folgte Helene ihm nur einen Tag später. Diese Entscheidung führte dazu, dass ihre Beziehung öffentlich wurde, was einen bedeutenden Skandal auslöste und ihren Ruf ruinierte. Arnd konvertierte zum Islam und nannte sich von da an Omar al Raschid Bey, um sich von Therese scheiden zu können. Helene nahm jedoch nicht seinen Namen an, sondern setzte "Raschid Bey" lediglich in Klammern.
Therese Arnd klagte gegen ihren Mann, und der Rechtsstreit dauerte zehn Jahre, den sie schließlich verlor. Helene erhielt nach einem langen Konflikt finanzielle Unterstützung von ihrem Vater, die es ihr ermöglichte, ein Haus in München zu kaufen. Dort lebte sie gleichberechtigt mit ihrem Mann und genoss trotz des schlechten Rufs, der ihre Beziehung begleitete, ein Leben, das sie nicht bereute.
1888 veröffentlichte sie die „Rathsmädelgeschichten“, die der Unterhaltungsliteratur zugeschrieben werden und finanziell ein voller Erfolg für Böhlau waren. Im Jahr 1895 wurde ihr Sohn Omar geboren. Ihre Schriften, die dem Naturalismus zugeordnet werden, stehen radikal für Selbstbestimmung und Gleichberechtigung. Zu ihren bekanntesten Werken zählen „Der Rangierbahnhof“ (1869), „Das Recht der Mutter“ (1896) und „Halbtier!“ (1899).
1897 lebte sie eine Zeitlang in Südtirol mit der 19-jährigen Studentin Paula Winkler. 1898 kehrte Helene Böhlau jedoch mit ihrem Sohn nach München zurück, während ihr Mann Paula nach Zürich folgte. Auf Rat eines Freundes kehrte er ebenfalls nach München zurück. 1905 wurde sie mit dem Preis der Schillerstiftung ausgezeichnet.
Im Jahr 1911 starb ihr Ehemann, und Helene veröffentlichte daraufhin sein philosophisches Werk. Nach seinem Tod zog sie mehrmals um, unter anderem nach Ingolstadt, dann zurück nach München, nach Widdersberg und schließlich nach Augsburg. Ihr Sohn Omar ließ sich umbenennen und trat freiwillig in den Ersten Weltkrieg ein.
In den letzten Jahren ihres Lebens nahm ihre Bekanntheit ab, und es gibt nur wenige Aufzeichnungen über diese Zeit. Am 26. Mai 1940 starb Helene Böhlau entweder in Augsburg oder in Widdersberg. Ihr Grab befindet sich auf dem Friedhof in Widdersberg. Ihr literarisches Erbe und ihr kämpferisches Engagement für die Rechte der Frauen hinterließen bleibende Spuren in der Literatur und der feministischen Bewegung.
Helene Böhlau ist ein Beispiel für die vielen Frauen, deren Stimmen in der Literatur oft übersehen werden. Ihre Werke sind nicht nur literarisch wertvoll, sondern auch ein wichtiges Zeugnis für den Kampf um Gleichberechtigung und Selbstbestimmung. Es ist an der Zeit, diese vergessene Stimme der Literatur neu zu entdecken und ihr die Anerkennung zu geben, die sie verdient.
Literatur
Katharina Herrmann: Dichterin und Denkerinnen, Philipp Reclam jun. Verlag GmbH 2020
Ute Hechtfischer, Renate Hof, Inge Stephan, Flora Veit-Wild hrsg. Metzler Autorinnen Lexikon Verlag J.B. Metzler 1998
Gisela Brinker-Gabler hrsg. Deutsche Literatur von Frauen. Zweiter Band 19. Und 20. Jahrhundert C.H. Beck München 1988



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